the divorcée diaries

Familienpolitik - oh weh

Ich bin ein Mensch, der sich mehr oder weniger aus der Politik raushält. Erst einmal verstehe ich davon zu wenig, zweitens habe ich nicht mehr wirklich das Gefühl, das richtig "Gute" für mein Land/Leben wählen zu können. Wie mein Englischlehrer einmal sagte: We choose between the various shades of evil! Wir müssen ziwschen den verschiedenen Schattierungen des Bösen wählen...

Doch was unsere Familienministerin da auskocht, macht mich mit jedem Artikel den ich darüber lese, einfach nur noch wütender - und noch verwirrter!

Wenn ich das richtig verstanden habe, hat sie uns das Familiengeld eingebrockt, worüber sich schon mehrere "neue" Mamis im Freundes- und Bekanntenkreis aufgeregt haben, denn de facto stehen sie jetzt am Monatsende schlechter da! Rentieren tut sich dieses Familiengeld wirklich nur für die gut verdienende Klasse der Bevölkerung, die sich bis dato vielleicht noch schwer getan haben mit der Frage nach Nachwuchs, sich jetzt aber finanziell zumindest dazu angeregt sehen, doch mal drüber mehr nachzudenken.
Wobei mehr oder weniger glaubwürdige Statistiken besagen, dass in diesen Kreisen trotzdem nicht mehr Babies gezeugt werden..., denn nur weil es mehr Kohle als Anreiz gibt, heißt das immer noch nicht, dass Mama auch nach dem Mutterschutz wieder an ihren Arbeitsplatz kommt und dort wieder so eingesetzt wird, wie vorher.

Und da kommt der nächste Schachzug der guten Frau von der Leyen ins Spiel: Krippenplätze für alle! Welch Freue! Oder etwa nicht?

Glaubt mit, wer jemals eine Mutter eines 6 Wochen alten Säuglings tränenüberströmt hat Abschied nehmen sehen von ihrem Baby - und das jeden Morgen, der will es dieser Mutter ermöglichen, die wirkliche, die echte Wahlmöglichkeit zu haben! Und die liegt nicht darin, dass genug Krippenplätze da sind, damit sie zurück an den Arbeitsplatz kann, um ihren ach so wertvollen Beitrag zum Bruttosozialprodukt zu leisten. Die echte Wahl liegt doch darin, wenn sie es sich genauso frei aussuchen kann, eben erst wieder zu arbeiten, wenn das Kind 1,2 oder 3 Jahre alt ist!

Das Manko liegt also nicht darin, dass es an Krippenplätzen fehlt! Das größte Problem sehe ich eher darin, dass Frauen immer noch eingeredet wird, dass sie als Mütter nicht viel wert sind und nichts großes leisten, wenn sie "nur" Zuhause sind.
Und auch darin, dass behauptet wird, dass eine Mutter, die mit dem Haushalt und mehreren Kindern beschäftigt ist, ihren Kindern eh keine großen Dienste erweisen könne - denn die sei ja viel zu sehr involviert, als dass sie sich jedem Kind individuel und seinen Talenten gemäß zuwenden könne...

Und das findet dann in Kinderkrippen und Kindertagestätten statt, in der zwei Erzieherinnen sich um 30 Kinder kümmern? Hm, was gefällt mir an dem Bild nicht? Ah, richtig, das Verhältnis 1:15, welches hier herrscht!
Ich weiß, nicht in allen Kindertageseinrichtungen ist das so und es gibt auch welche, da gibt es das Verhältnis 1:8, doch wir wissen alle, wie selten das ist!

Ich möchte hier nicht sagen, dass jedes Kind bis 3 am besten Zuhause aufgehoben ist. Wir wissen alle, dass das liebende Elternhaus und eine intakte Familie nicht mehr der Realität entsprechen und es vielen Müttern z.B. weil sie alleinerziehend sind, nicht möglich ist, zuhause zu bleiben. Andere Mütter wiederum wollen es auch gar nicht. Und manche Kinder sind in einer Einrichtung wahrscheinlich besser aufgehoben, als Zuhause - doch das sind individuell zu betrachtende "Fälle" und sollten keinen Maßstab für unser Land bilden und zu der Äußerung anlass geben, die Kinder sollen doch bitte alle in den Kindergarten, denn da seien sie viel besser dran!

Was ich als Mutter möchte (auch wenn meine schon älter ist und es ihr (laut Bafög-Amt) zuzumuten ist, Nachmittags allein zuhause zu sein) ist, dass ich eine echte, eine wirkliche und keine vorgegaukelte Wahl habe!!!

Wenn ich als Mutter Zuhause bleiben will und selber die Betreuung meiner Kinder gewährleisten kann, dann sollte es mir erlaubt sein! Und vor allem sollte die Gesellschaft mit dann keinen Stempel aufdrücken von wegen ich sei ja "nur" Mutter! So etwas wie "nur" Mutter gibt es nicht! Als Mutter bin ich immer auch: Ernärungsberaterin, Seelsorgerin, Köchin, Waschfrau, Einkäufer, Trainer, Karrierenförderer, Fahrerin, Schmusebärchen, Vorleserin, Haushaltsmanagerin, Kummertante, Fußabtreter und vieles mehr - wird langsam mal Zeit, dass Mütter dementsprechen gewürdigt werden!

Gehe ich als Mutter arbeiten, weil es einfach nicht anders geht oder mir sonst die Decke auf den Kopf fällt und ich dann meinem Kind eher schade, dann hat das ganz besonders von den sogenannten Übermüttern respektiert zu werden!
Es macht mich nicht zu einer Rabenmutter, wenn mein Kind mich 5-8 Stunden am Tag nicht sieht, solange es danach dann auch was von mir hat! Lieber eine berufstätige, ausgeglichene, zufriedene Mutter als eine, die das Gefühl hat, vor dem Herd zu versauern und den Kindern die Schuld dafür gibt!
Für solche Mütter muss der Staat oder andere Träger Einrichtungen schaffen, damit die Kinder gut "untergebracht" sind und die Mütter sich auch wirklich ihrer Arbeit zuwenden können - und nicht mit den Gedanken dauernd beim Kind sind!

Beiden Müttern muss die Möglichkeit gegeben werden, sich frei für den einen oder anderen Weg zu entscheiden! Und um sich frei entscheiden zu können, bedarf es auf der einen Seite natürlich genügend qualifizierter Betreuung, aber auch ausreichenden Wertschätzung für die Frau, egal wie sie sich entscheidet!
Eine berufstätige Mutter darf in der Gesellschaft nicht mehr wert sein, als eine "Familienmanagerin"!

Und genauso wie diesen beiden Sorten von Müttern/Frauen Respekt und Wertschätzung entgegengebrcht werden muss, sollten auch Frauen nicht mit Missachtung und komischen Blicken bedacht werden, die sich ganz bewusst gegen Kind und für eine Karriere entscheiden.
Sei es bewusst oder weil die Natur es ihnen nicht ermöglicht hat, Mutter zu werden, sie sind als Frauen nicht weniger wert und sollten nicht gefragt werden "ob sie nicht schon langsam ihre biologische Uhr ticken hören"!

Geht es nicht im Endeffekt darum, dass wir als Frauen die Wahl haben, uns für oder gegen das eine oder andere zu entscheiden? Doch damit wir das tun können, sollte uns die Möglichkeit gegeben werden, dann auch damit gut leben zu können.
Und das bedeutet genügend Wertschätzung für die "Familienmanager", die es vorziehen daheim zu bleiben und deren Kinder eben erst mit 3, wenn überhaupt in den Kindergarten kommen.
Und es heißt auch, ausreichend Krippen- und Kindergartenplätze zu haben für die Mütter, die neben Haushalt & Kindern auch noch eine externe Karriere anstreben oder weiterführen wollen.
Und letztendlich heißt es ebenfalls, den Frauen die generelle Wahl zu lassen, ob sie sich für die Mutterschaft entscheiden oder nicht! Und da sollte kein Geld der Welt als Anreiz genommen werden, sich so oder so zu entscheiden!

24.4.07 08:39

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bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Stefan / Website (24.4.07 10:39)
Ich weiß nicht was es ist, aber wir haben in Deutschland in der Tat ein Problem. Und ich glaube nicht, dass Frau von der Leyen daran schuld ist. Ein Blick über den Tellerrand genügt um sich die Frage zu stellen, was hier schief läuft. In Holland z.B. gilt Hop oder Top. Nach 6 Wochen muss die Frau entscheiden, ob sie zurück in den Job will. Will sie, muss sie nach 6 Wochen wieder antreten, will sie nicht, wars das mit dem Job. Hier haben wir den Luxus von 3 Jahren Mutterschutz. Ich glaube, es liegt weder am Geld, noch an Krippenplätzen noch an sonst etwas. Deutschland ist einfach nur ein kinderfeindliches Land. That`s all. Wir diskutieren über alles, nur nicht über Kinder. Wir reden über Demografie, wir reden über künftige Rentenzahler, über Krachmacher, verfettete Kinder, faule Kinder, unsportliche Kinder, über rüpelnde Kinder, gewalttätige Kinder ect. pp. Wer will da Kinder kriegen?


Stefan / Website (24.4.07 10:42)
Ach, und noch was. Es mag politisch unkorrekt klingen, aber in Deutschland kriegen die Falschen Kinder. Gäbe es mehr Geld für die unteren Gehaltsgruppen, gäbe es mehr verfettete, unsportliche, laute, rüpelnde, gewalttätige, faule ect. pp. Kinder. Wir haben nämlich in Deutschland auch noch ein Schichtenproblem. In keinem anderen westlichen Industrieland wird die Schicht, in die man geboren wird so vererbt wie in Deutschland. Wirst du als Kind von Sozialhilfeempfängern geboren, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Kind später auch Sozialhilfeempfänger wird. Insofern mag es gewollt zu sein, die zu fördern, die zur Mittel und Oberschicht gehören. Denn die kriegen zu wenig Kinder. Ich weiß, klingt hart, ist aber leider in diesem Land so.


Der Bote / Website (24.4.07 11:01)
Cool Mum, Volle Zustimmung in allen Punkten! Wie oft vermisse ich in der öffentlichen Diskussion eine so differenzierte Betrachtungsweise wie deine. Viele Journalistinnen und Journalisten dürften aber der Kategorie "Karriere"-Mensch zugehören und sich nur wenig in die Frauen hineinfühlen können, die "nur" Mutter sein wollen (obwohl das, wie du ja sagst, trotzdem sehr arbeitsintensiv ist). Und gewisse konservative Kreise sehen die Sache auch nur von ihrem Standpunkt.

Ich bin allerdings immer etwas zurückhaltend mit der Zustimmung, wenn Männer und Frauen ihre Entscheidung gegen ein Kind nur mit der finanziellen Situation begründen. In den vergangenen Jahrhunderten war die Institution Familie doch gerade immer dann stark, wenn die äußeren Umstände - egal ob Krieg oder Armut - eher schwierig waren. Man hielt zusammen, half sich gegenseitig, nicht zuletzt weil man sich keine Hilfe von Außen leisten konnte.


marianne / Website (25.4.07 10:20)
und mein Senf dazu als Momentan?-Ex-Kindergartentante:
die meisten "tollen" Kindergärten stellen, um das Verhältnis 1:15 zumindest etwas aufzulockern dafür Praktikanten oder- im heutigen Zeitalter überaus beliebt- zusätzlich Ein-Euro-Jobber ein. Leute, die das gleiche leisten, dafür aber noch nicht einmal ein Zehntel dessen bekommen wie die Kollegen.. *grr*
Ich hoffe, es kommt irgendwann etwas Entspannung auf den Markt... und zwar nicht,weil das Thema durchgekaut ist sondern, weil brauchbare Lösungen vorliegen..
liebe Grüße
marianne


Sem (27.4.07 11:59)
Last mich mal raten, eure Familienministerin
hat selber keine kinder, würde natührlich nicht
überaschen.

Bei uns im Ösiland hatten wir auch eine sehr
nette Ministerin die doch die Meihnung vertreten
hat; die Jugend solle weniger Partis feiern und mehr Kinder zeugen!

Ein Lob an alle Mütter die es trotsdem schaffen!

LG
Sem

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