the divorcée diaries

Wenn nicht für sie...

Ab und an denke ich, dass ich es meiner Tochter zu verdanken habe, dass ich noch lebe und dass mein Leben so ist, wie es im Moment ist - positiv gesehen!

Als ich im Dezember 1991 mit ihr schwanger war und ihr "Erzeuger" sich entgültig von mit losgesagt hatte, weil ich nicht abtreiben wollte und ich mich so allein wie nie zuvor gefühlt und enrsthaft darüber nachgedacht habe, der Autobahnbrücke in Othmarschen einen anderen Verwendungszweck zu geben, dachte ich bei mir, dass ich das diesem Menschen, der in mir heranwächst nicht antun könne - denn ihn/sie träfe schließlich keine Schuld und warum solle ich ihm/ihr deshalb das Leben verwähren?
Also trank ich nur "nur" einen über den Durst mit Pina Colada und ging ins Bett...

Schwanger bekam ich auch schnell einen Dringlichkeitsschein für eine Wohnung und zog dann im April 1992 bei meiner Freundin (die wenig später heiraten wollte und eh zu wenig Platz für einen Untermieter hatte) aus und in meine erste eigene Wohnung ein!

Die ersten Nächte habe ich wie ein Schlusshund geheult, denn bis dato hatte ich noch nie allein gewohnt und fühlte mich auch dementsprechend! Doch dann fing ich an, unser kleines Nest zu gestalten und nach der Ankunft meiner Tochter auf dieser manchmal durchaus schönen Erde bekam mein Leben einen Sinn: ich war Mama! Oh, was habe ich sie geliebt und betüddelt und war glücklich mit ihr!

Ihren "Erzeuger" habe ich in der Zeit oft in Virginia angerufe- dort war er von der NATO aus, einen Monat betrug die Telefonrechnung sogar DM 500,- und irgendwann waren sie kurz davor, mir meinen Anschluss zu sperren...

Doch der kam nicht zurück, sondern stattdessen lernte ich im Sommer 1993 einen jungen Mann kennen, den ich ein 3/4 Jahr später sogar heiratete und mit dem ich meine allererste hauptsächlich schöne Ehe verbringen durfte!
Das er keine Kinder zeugen konnte und es als Jackpot empfand, eine Frau mit einem Kleinkind kennenzulernen und zu ehelichen, denn nun würde er auch Vater sein können, bekam meine Maus endlich einen Vater, ich einen Ehemann der sich um mich, meine Welt und meine Sorgen kümmerte und alles war irgendwie völlig lala und in Ordnung, komplett eben.

Diese Ehe ermöglichte es mir, einen Schulabschliuss zu machen. Auch konnte ich endlich in gesicherten Verhältnissen leben - etwas, dass ich bis dahin nie wirklich kennen gelernt hatte.

Dadurch, dass ich die Nachmittage immer Zuhause sein konnte, entstand ein recht gutes Verhältnis zu meiner Tochter, was sich bezahlt machte, als mein Mann dann kurz vor dem 10ten Hochzeitstag das Gras auf der anderen Seite des Zaunes doch viel grüner fand und unsere Ehe als gescheitert erklärte - ohne wirklich einen echten Rettungsversuch derer unternommen zu haben, aber das ist ein anderer Blogeintrag!

Also war ich mal wieder allein mit meiner Tochter und dieses Mal zog es mir echt den Boden unter den Füßen weg! Ich wollte nicht mehr leben, denn was war ich schon und was war mein Leben noch wert?

Vor wenigen Minuten war ich noch verheiratet, Frau eines Beamten, hatte eine Familie und ein Zuhause, lebte in recht gesicherten Verhältnissen, hatte ein Liebesleben und einen Partner an meiner Seite und jemanden, der mich dabei unterstützte, meine Tochter in der Kirche zu erziehen...

... und jetzt war ich "nur noch" eine Frau mit einer gescheiterten Ehe, alleinerziehend, ohne Job und ohne Ausbildung, komisch angeguckt von den Mitgliedern der Kirche in die wir bis vor kurzen noch als Familie gingen, ohne Geld und dabei mein Zuhause zu verlieren und mit einer Familie "gesegnet", die meinen Ex toller fanden als mich und mir erklärten, dass ihre Loyalität ihm gehöre, denn er war ja immer so nett ... bla bla bla!

Kurzum, mein Leben schien zuende und weiterleben echt sinnlos!

Ich dachte daran, mich zu betrinken, um wenigstens mal für ein paar Stunden den Schmerz aus meinem Herzen und die wirren Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen - oder die vielen Tabletten von meinem Arztes einfach auf einmal zu nehmen und dann wäre alles vorbei, aus und Ende!

Aber dann sah ich meine Maus und wie sehr sie sich bemühte, alles zu verstehen und sich an das zu klammern, was noch vorhanden war - mich.
Ich sah, wie wütend sie war und darauf wartete, dass die blöden Erwachsenen ihr endlich erklärten, warum zum Geier sie ihr Zuhause, ihre kleine Welt kaputt gemacht hatten und wie sie denn nun weiterleben solle...

Und ich erkannte, dass es nicht nur meine Pflicht war, bei der Stange und bei ihr zu bleiben, sondern dass ich es ihr und mir einfach schuldete, weiter zu machen und da durch zu kommen - hoffentlich als Siegerin! Ich musste ihr und mir einfach zeigen, dass man so etwas überleben kann und vielleicht sogar am Ende stärker ist als vorher...

Oft hätte ich am liebsten alles hingeschmissen und meinem Ex gesagt, dass er diese Supper gefälligst auslöffelt, die er uns da eingebrockt hat! Wie gerne hätte ich einen Koffer gepackt und wäre geflüchtet...

Doch zum Glück gibt es genug Filme und Bücher, die davon handeln, was mit den Kinder passiert, wenn Mama sich einfach davon macht und das wollte ich meiner Maus nicht auch noch antun!

Klar war sie wütend auf mich, weil ich es nicht geschafft habe, ihr Zuhause zusammen zuhalten - aber wie wütend wäre sie auf mich gewesen, wenn ich jetzt auch noch gekniffen hätte?

Also nahm ich mich wieder einmal zusammen und wir zogen aus dem alten Zuhause aus, um ein neues für uns zwei allein zu erschaffen!
Ein Zuhause herzurichten mag ich, das gefällt mir. Und jemanden zu haben, für den ich das machen kann, stärkt und motiviert mich noch mehr..., also habe ich es angepackt und nun haben wir hier, drei Stadtteile von ihm weg, unsere kleine Welt und sind recht glücklich hier! Wir hatten so etwas wie einen Neuanfang und sind stärker als zuvor.

Klar kommen immer mal wieder Momente hoch, in denen ich denke, ich schaffe das nie und dann brennt das Geld auf dem Konto und will in ein Flugticket umgesetzt werden!
Aber wenn ich betrachte, wo ich herkomme und was ich erreicht habe, wo ich jetzt stehe, möchte ich gerne bleiben und sehen, wo dieses Leben mich noch hinführt!

Auch wenn ich manches Mal hauptsächlich für meine Tochter weitergemacht und durchgehalten habe - die Früchte davon ernte auch ich und ich bin stolz darauf!

Wir sind zwar immer noch "allein" - aber an manchen Abenden, wenn wir zusammen auf der Couch sitzen, einen Film gucken oder einfach nur reden und zusammen was leckeres futtern, möchte ich es fast nicht anders haben.
Wir beide haben in den letzten drei Jahren viel erreicht und viel durchgeboxt. Wir haben gelernt für das zu kämpfen, was wir wollen und uns nicht unter Wert zu verkaufen.

Und ich habe erkannt, dass ich auch allein etwas schaffen kann und keinen Mann brauche, um meinem Leben einen Sinn zu geben oder es gar wertvoller zu machen.
Aber das ich das erkannt und bis hier hin geschafft habe, verdanke ich mindestens zu 50% meiner Maus!

Ich bin dankbar, dass sie in meinem Leben ist und dass ich dadurch erst eines bekommen habe!
Ich bin dankbar, dass allein ihre Anwesenheit mich dazu bringt, das richtige zu wählen und ein gutes Leben aufbauen zu wollen.

Ich bin dankbar, dass sie an meiner Seite ist um zu erleben, dass es auch ohne Mann möglich ist, etwas zu sein und zu erreichen und dass es letztendlich nicht auf die Männer in unserem Leben ankommt, sondern auf das, was wir als Frauen in uns tragen: unsere Talente und unsere Willensstärke!

17.5.07 11:57

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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mrsweasly / Website (17.5.07 12:22)
Sage danke zu Dir! Ohne deine Einsicht und Umsichtigkeit hättest du es nicht geschafft. Die Kunst in solch einer Situation ist, nicht nur sein eigenes Leid und seinen einen Kummer zu erkennen. Nicht in Selbstmitleid zu versinken. DANKE DIR!! DU HAST ES DIR VERDIENT!


Cool Mom Claudia / Website (17.5.07 12:36)
Stimmt irgendwie... Doch ohne meine Tochter an der Seite, wäre es wesentlich leichter gewesen, in Selbstmitleid zu versinken und darin genüsslich zu baden!

Sagen wir mal, dass es ihre Anwesenheit nicht wirklich zugelassen hat und ich mir dadurch einen Plan B einfallen lassen musste!

Und außerdem hatte ich ja immer noch mein Blog, wenn ich mal wieder einen Ausflug ins Tal des Selbstmitleides unernehmen wollte..., da konnte ich es niederschreiben und eine Weile drin welken!

Obwohl - da habt dann ja ihr mir wieder in den Hintern getreten...


Franzi / Website (17.5.07 14:38)
hi du,
ich bin nun total sentimental drauf... da ich manches auf persönlichbezogene situationen/erlebnisse beziehen kann,... wie es ist wenn einem der boden unter den füßen weg gezogen wird, und alles nicht mehr so ist wie vorher... ich find es bewundernswert wie du hier das so offen erzählen kannst...
*knuddel*


nancy / Website (23.5.07 13:42)
WOW!
Mir wurde ganz anders als ich das hier gelsen hab!
ICH WÜNSCH DIR UND DEINER MAUS ALLES GLÜCK DIESER ERDE!
Ihr habt es euch beide verdient! Lass dich niemals unterkriegen!

Liebe Grüße!

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