the divorcée diaries

Spiel's noch einmal

Sagt man nicht, man erkennt einen guten Liebhaber daran, wie er sein Auto behandelt? Gewiss musste das auch für Musiker und ihre Gitarren gelten..., denn so wie er jetzt, gerade in der Pause, also nicht spielend, die Gitarre zwischen seinen Schenkeln stehen hatte und ihr immer wieder am Hals entlang strich - wäre sie eine Frau, würde sie bereits jetzt wohlig seufzen und Wachs in seinen Händen werden.

Doch sie musste sich jetzt konzentrieren, hier ging es um Musik und nicht um ihre sexuellen Fantasien bezüglich Gitarristen. Aber dieser Mann war einfach nicht zu ignorieren. Wenn er die Gitarre in die Hand nahm, war es wie eine Einladung zum Liebesspiel und niemand im Publikum wusste, wo es enden würde. Es konnte eine traurige Ballade sein, ein fetziges Tanzstück, eine romantische Liebeserklärung - man wusste es nicht immer sofort. Denn er hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, seine Stücke nie gleich anzufangen. Fast so, als wolle er das Publikum und die Gitarre im Unklaren darüber lassen, was wohl jetzt auf sie zukommen würde. Erst wenn man fast schon mitten im Stück war, erkannte man die Melodie..., und die Spannung, Freude, Ekstase, Begeisterung erhöhte sich.

So musste es sein, von jemandem geliebt zu werden, der einen immer wieder überraschte. Auch wenn es immer das gleiche Spiel war, letztendlich strebten beide die Erfüllung ihrer Sehnsüchte und Bedürfnisse an, begann es doch immer neu, so als wäre es das erste Mal. Aufregend, verboten, spannend, unkonventionell, unheimlich erregend und oh, so gut! Wie musste es wohl sein, von jemandem geliebt zu werden, der sich so auf seine Gitarre versteht?

Über das nächste Stück sagte er einmal, er möchte seine Gitarre behandeln, wie er eine Frau behandeln täte. Mit Ehrfurcht, Respekt, Zuneigung, Leidenschaft und Lust... Oh ja, das nächste Stück drückte dies am deutlichesten aus. Es klang so, als würde er sich erstmal ganz vorsichtig der Frau, äh, der Gitarre nähern, um zu sehen, in welcher Stimmung sie denn heute sei. Es fängt mit mit sanften, zurückhaltenen Tönen an, fast kaum zu vernehmen. Fast scheint es wie ein Duett zweier sich liebenden Gitarren, doch es ist nur eine, auf der er diese wundersamen Töne erzeugt.
Dann wird sein Spiel fordernder, fast so, als würde er ihr mitteilen, dass er sich dieses Mal nicht abspeisen ließe. Er hört nicht auf, seine Finger gleiten immer wieder über ihren Hals, streichen, zupfen an ihrem Körper und erzeugen die wunderschönsten Töne, die sie je gehört hat - die die Gitarre wahrscheinlich je produziert hat. Sie kann es fühlen, fast so, als lägen seine Hände auf ihr, als würde er sie zu einer heißen Liebesnacht auffordern...

Wenn sie sich jetzt nicht zusammen nahm, würde die CD-Kritik nie vor Redaktionsschluss fertig werden..., dabei war sie erst bei Lied 3....

3.9.06 20:56

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