the divorcée diaries

Massagesalon - irgendwo her muss das Geld doch kommen...

Die Anzeige sah eigentlich ganz verlockend aus, also beschloss sie, einfach mal unverbindlich dort anzurufen.

Nervös und aufgeregt wählte sie die angegebene Nummer.
"Wellness-Center, Gabi, hallo?"
"Äh, ja, hallo..., hier Sandra. Ich wollte nur mal anfragen, ob ihr eigentlich noch Mädchen braucht!"
"Hmmm, dafür bin ich nicht zuständig, warte mal eben, ich hole kurz Christoph..."

Sandra knabberte an ihrem Daumennagel. Ein Mann arbeitete dort also auch. Ob er etwa der Zuhälter war und das war gar kein richtiger Massagesalon? Sie selber war nie in einem gewesen, aber der Job an sich schien ihr eine bessere Aussicht zu bieten, als sich an die Straße zu stellen - allein bei dem Gedanken wurde ihr ganz anders, oder als Striptänzerin zu arbeiten.

"Christoph am Apparat, was kann ich für Sie tun?"
Sandra wiederholte ihre Frage und wartete dann klopfenden Herzens auf seine Antwort.
"Wir können immer Mädchen gebrauchen. Wann wollten Sie denn anfangen?"
Sie überlegte kurz. In Gedanken ging sie ihren letzten Kontoauszug durch.
"Am liebsten sofort. Ich könnte heute Abend noch vorbeikommen und mich "vorstellen", wäre das ok?"
Er erklärte ihr kurz, dass sie heute, am Freitag nur bis 20:00 offen hätten, aber sie jederzeit gerne reinschauen könne, wenn sie wollte.

Sie bedankte sich und legte den Hörer doller als beabsichtigt auf das Telefon zurück. Was sollte sie nur anziehen? Hier ging es immerhin um einen Job und bestimmt wollte man dort sehen, was sie zu bieten hatte. Sie beschloss, ihren besten BH und den passenden String dazu anzuziehen..., nur für den Fall, dass man dort sehen wollte, was sie denn den Gästen zu bieten hatte. Oder nannte man sie Kunden? Ihre Gedanken wanderten und sie stellte sich vor, welche Männer wohl solche Massagesalons besuchten.

Keine halbe Stunde später verließ sie ihre Wohnung. Die Wäsche wurde abgerundet durch eine enge Bluse und eine Schlagjeans, dazu hohe Sandalen, die sie sich erst im letzten Sommer gekauft hatte, aber irgendwie zu keinem Anlass so richtig hatte tragen können. Die Haare hatte sie hochgesteckt und eine dunkle Sonnenbrille rundete ihr Erscheinungsbild ab.

Sie bekam gleich eine Bahn und fuhr die Viertelstunde bis in die Innenstadt. Um das wie Christoph es nannte "Wellnesscenter" zu erreichen, musste sie anschließend nochmal 10 Minuten zu Fuß gehen. Auf dem Weg entdeckte sie auch gleich wieder, warum noch sie die Sandalen nicht getragen hatte: sie drückten wie verrückt und sie hatte das Gefühl, keinen Meter mehr laufen zu können, als sie endlich bei dem Haus ankam, in dem sie sich vorstellen wollte.

Von außen sah es aus, wie ein Bürogebäude und nur das Klingelschild verriet, dass sie hier richtig war. Sie klingelte bei "Wellnesscenter" und wurde auch sofort reingelassen. Eine schlanke, brünette, vollbusige Frau öffnete ihr die Tür. Es war die Gabi vom Telefon und sie führte Sandra in das Büro, wo Christoph, ein hochgewachsener, blonder, sehr hübsch anzusehender Mann gleich aufsprang, um sie zu begrüßen.

Ihr schoss durch den Kopf, dass wenn alle Kunden/Gäste so aussahen, wie der Chef hier, sie mit Freunden hier arbeiten wollen würde. Also dieses Prachtexemplar hier würde sie doch glatt umsonst massieren...

"Soll ich Ihnen gleich die Räume zeigen, damit Sie ine Vorstellung davon bekommen, wo und wie wir hier so arbeiten?"
"Sehr gerne, aber bitte sag' ruhig Du oder Sandra zu mir, sonst komme ich mir vor, als spräche man zu meiner Mutter."
Christoph lachte und ging voran, einen langen Flur entlang und dann auf eine Tür zu, auf der in Neonfarben ein Schild verkündete, dass man hier Massagen bekäme. Darunter stand geschrieben, dass man erotische und Entspannungsmassagen bekommen könne. Nun war es an Sandra, zu lachen, denn war das für Männer nicht ein und dasselbe?

"Also hier haben wir einmal das "Dschungelzimmer", Christoph zeigte dabei in ein Zimmer, in dem Tierfelle auf dem Boden lagen, ein afrikanisches Schild und zwei Speere an der Wand hingen und in dessen Mitte auf dem Boden eine Matratze lag, die mit einem Laken überzogen war, welches Leopardendruck hatte, und zwei runde, braune Kissen, auf denen Elefanten sich tummelten. Auch fiel ihr eine Wasserpfeife in einer Ecke auf, die hier merkwürdig deplaziert war. Ansonsten gab' es im Zimmer rechts und links seitlich neben der Matratze Spiegel an den Wänden, die ihr komischerweise nur bis zum Knie reichten. Später ging ihr dann auf, dass die wohl dazu waren, dass man(n) bei der Massage einen Blick auf die Dame der Stunde werfen konnte. Auch gab' es eine Stereoanlage, Kerzenständer, Kleenextücher und Massageöl.

Christoph ging weiter. "Hier haben wir das "Asiatische Zimmer"", und tatsächlich, auf dem Boden lag ein schwarzer Futon, rote, runde Kissen und an den Wänden hingen weiße Vorhänge, die mit chinesischen Schriftzeichen versehen waren. Es gab ein Teeset, wieder Kerzen, das Massageöl und Kleenextücher, auch hier eine Stereoanlage und eine komsiche Statue, die wohl eine Göttin darstellen sollte.

Das nächste Zimmer sagte ihr am meisten zu. Es war einfach kuschelig, gemütlich, so dass sie aus einem Reflex heraus sagte, dass sie gerne hier einziehen wolle. Es war tatsächlich das "Orientalische Zimmer"! An den Wänden hingen bunt bedruckte Tücher, die bis zum Boden reichten, bestickt mit kleinen Spiegeln und Glöckchen. Es gab hier ebenfalls eine Wasserpfeife, also war die andere nicht verlegt worden. Große, runde Kissen luden zum verweilen ein und die Matratze in der Mitte des Raumes war doppelt so hoch, wie die anderen. Auf ihr lag ein ebenfalls bunt bedrucktes Laken, mehrere Kissen und überall im Raum standen Kerzenständer, es gab' eine Duftlampe und auch hier wieder die selben Dinge, die schon in den anderen Räumen standen - wohl die Standardausrüstung der Räume - Massageöl, Kleenextücher und eine Stereoanlage.

"Tja, das wären unsere Räume. Der Gast kann sich aussuchen, in welchen er gerne gehen möchte oder Du nimmst halt, welcher gerade frei ist. Hier gebe ich dir einen Zettel mit den Preisen, die solltest Du auswendig können, denn es sieht blöd aus, wenn man erstmal auf den Zettel gucken muss, wenn der Gast einen fragt, was er denn wofür bezahlen muss.²

Sandra nahm den ihr entgegengestreckten Zettel entgegen. Darauf stand: 15 Min - €25, 30 Min - €40, 45 Min - €55, 60 Min - €70. Gab es wirklich Männer, die das bezahlten? Nur für eine Massage eines leichtbekleideten Mädchens?`

"Von der ersten Stufe bekommst Du €10 und Du kniest bei der Massage neben der Matratze. Bei der zweiten Stufe bekommst Du €20 und der Gast darf sich wünschen, dass Du ihn nur in Unterwäsche massierst. Erwirbt der Gast die dritte Stufe, bekommst Du €30 und Du kannst ihn dann ohne BH massieren. In dieser Zeitspanne wirst Du dir dann wahrscheinlich auch viel Gelabber anhören müssen. Du weißt ja, die Männer reden gerne von sich und ihren Heldentaten oder dem misserablen Leben, welches sie Zuhause mit ihrer Frau führen müssen. Und bei der letzten Stufe, da solltest Du ihn durchaus ermutigen, aus sich rauszukommen, denn 60 Minuten zu massieren, schafft hier kaum eines der Mädchen. Die Männer, die das kaufen, wollen meist jemanden, der ihnen zuhört und dabei für sie da ist. In dieser Stufe bekommst Du €40. Ach so, wir haben so einen Daumenregel: 10 Minuten Massage und danach Handmassage."

Sandra guckte erstaunt und streckte dann ihre Hände nach vorne. "Wie jetzt, der Gast massiert mir die Hände?"
Jetzt war es an Christoph, zu lächeln und erklären fügte er hinzu, dass es sich dabei um eine Handmassage des besten Freundes des Gastes handele. Sie wurde rot und murmelte nur, dass sie da je selber hätte drauf kommen müssen. In Gedanken fragte sie sich, wo "Das" denn dann hingehen würde, wenn sie ihn so mit der Hand bearbeiten würde? Hielt man da ein Kleenex drüber? Was den Vorrat eben dieser Tücher in allen Räumen erklärte. Was, wenn man nicht schnell genüg wäre? Landete es dann an der Decke? Und wie oft wurden hier die Laken gewechselt?

"Wenn Du keine weiteren Fragen mehr hast, dann trage dich doch im Büro in die Liste für nächste Woche ein und wir sehen, wie Du dich hier so machst." Sandra nickte und folgte ihm ins Büro. Dort trug sie sich für die Montag-Nachmittagsschicht und die Dienstag-Frühschicht ein, bedankte sich bei Christoph mit einem Lächeln und einem Händedruck, wobei sie unwillkürlich wieder an die "Handmassage" denken musste. Grinsend drehte sie auf dem Absatz um und verließ das Gebäude.

Das war ja gar nicht so schlimm, dachte sie bei sich, als sie draußen erstmal tief Luft holte. Also dies war alle Mal besser, als zu strippen oder noch schlimmeres zu machen. Und das Geld stimmte auch. Beschwingten Schrittes beschloss sie, von dort aus zu Fuss in die direkte Innenstadt zu gehen, denn das Ereignis musste gefeiert werden.
Montag würde sie endlich wieder Geld, viel Geld in der Tasche haben und die sich in ihrem Portemonaie befindlichen letzten €40 von diesem Monat würde sie jetzt in ein paar neue, hochhackige Schuhe und einem schönen Wäscheensemble umsetzen, denn vernünftige Berufskleidung musste sein...

17.9.06 18:41

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen