the divorcée diaries

Der Tag, an dem ich fast mein Leben ließ...

Sie standen schon wieder da. Seit zwei Wochen verging kein Morgen, an dem dieser weiße Mercedes mit den stämmig gebauten, nach extrem-bodybuilding aussehenden, grimmig guckenden Typen nicht in der Einfahrt dieses Bürogebäudes stand, welches knapp an meines grenzte.

So langsam irritierten sie mich dann doch! Was wollten sie hier? Sie passten so gar nicht in dieses Umfeld, in dem es von 7:30 bis 20:00 nur so von schlips- & anzugtragenden, wichtig dreinschauenden, Koffer mit sich rumtragenden Geschäftsleuten wimmelte.

Wenn sie wenigstens im Anzug und mit Sonnenbrille rumsitzen würden, hätten sie ja etwas von den "Blues Brothers", ich liebe diesen Film. Doch so in T-shirt und mit ihren kurzen Haaren erinnerten sie mich eher an Hooligans nach einem Fußballspiel, bereit zum draufhauen auf wen auch immer. Bestimmt stanken sie auch noch extrem nach Schweiß.

Oh nein, jettz habe ich doch glatt meine Bushaltestelle verpasst, wenn ich nun aussteige, laufe ich direkt an ihrem Wagen vorbei. Ob sie mich angreifen werden? Mir den Aktenkoffer entreißen, über mich herfallen? Was soll's, da muss ich nun einmal vorbei, der Eingang zu meinem Bürogebäude liegt zwei Torbögen neben dem, in dem ihr Wagen steht.

Warum müssen sie auch ausgerechnet da stehen? Die nehmen die ganze Einfahrt ein, keiner kann mehr daran vorbei, es sei denn, man drückt sich eng am Wagen entlang. Da macht man sich doch den Anzug schmutzig, der Mercedes sieht mir nicht gerade frisch gewaschen aus.

Was, wenn sie hier stehen, um ahnugnslosen Geschäftsleuten aufzulauern? Warten sie gar auf einen ganz bestimmten Mann? Oder auf eine Frau? Vielleicht sind es ja auch Detektive, die einem irregegangenen Ehemann nachstellen - also der Mann am Schreibtisch neben mir sieht schwer nach Ehebrecher aus!

Ich werde jetzt einfach zügigen Schrittes an dem Wagen vorbeigehen, dann werden sie mich bestimmt nicht bemerken. So auffällig bin ich in meinem grauen Anzug sowieso nicht, meine Frau sagt ja selber immer, wie farblos ich damit aussehe. Doch hätte ich mir den schwarzen Dreiteiler im letzten Monat gekauft, sähe ich jetzt viel zu reich und wichtig aus, gerade zu das perfekte Ziel eines Angriffes. Nein, so ist es schon richtig, nur die Augen gerade aus und schnell vorbei.

Gleich habe ich ihn erreicht, hoffentlich bleiben sie sitzen. Was tu ich nur, wenn sie aussteigen? Ist mein Aktenkoffer schwer genug, um damit jemandem eines über den Schädel zu ziehen? Nicht, dass ich das je könnte, aber ich will wenigstens vorbereitet sein. Dann kann ich hinterher immer noch sagen, ich hätte versucht, mich zu verteidigen.

Moment mal, was ist, wenn meine Frau diese zwei Kerle angeheuert hat, wenn sie mir auflauern? Will sie mich loswerden? Wenn ich mich recht entsinne, war sie in letzter Zeit extrem freundlich zu mir, bestimmt hat sie etwas zu verbergen, führt etwas im Schilde! Meine Güte, bei dem Gedanken wird mir ganz schlecht, ich glaube, ich muss mich hinsetzen, meine Beine fühlen sich an, wie Gummi...

"Hey, sind Sie ok? Hallo, können Sie mich hören? Sie sind uns vor das Auto gefallen, sah echt fies aus!"

Wo bin ich? Wer spricht da mit mir und warum hält jemand meine Beine hoch? Meine Augen sind so schwer, bekomme sie kaum auf. Das Einzige, was ich erkennen kann, sind zwei breitschultrige Mäner mit T-Shirts, auf denen steht "Paulis Sicherheitsservice", wissen die, was sie tun?

22.9.06 19:42

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